GWÖ – 3. Teil unserer Nachhaltigkeitsreihe

Im dritten Teil unserer Reihe Nachhaltigkeits-Standards stellen wir die Gemeinwohl-Ökonomie (GWÖ) vor.

Eine ethische Marktwirtschaft
Die Gemeinwohl-Ökonomie ist ein neues Wirtschaftsmodell, welches das Gemeinwohl als übergeordnetes Ziel einer Gesellschaft formuliert. Anhand der Umsetzung ethischer Werte wird es gemessen. Unternehmen und Organisationen, als Teil der Gesellschaft, können ihren Beitrag zum Gemeinwohl mit Hilfe der Gemeinwohl-Bilanz bewerten bzw. bilanzieren. Die Gemeinwohl-Bilanz stellt damit eine Ergänzung der Finanzbilanz dar und ist ein Bewertungssystem unternehmerischer Nachhaltigkeit.
Die relevanten ethischen Werte entsprechen den häufigsten Verfassungswerten demokratischer Staaten.

Die ethischen Werte
Die häufigsten Verfassungswerte demokratischer Staaten sind Menschenwürde, Solidarität, ökologische Nachhaltigkeit, soziale Gerechtigkeit, Demokratische Mitbestimmung/Transparenz. In der Gemeinwohl-Bilanz wird die betriebliche Umsetzung dieser Werte im Hinblick auf die Berührungsgruppen (auch Stakeholder genannt) transparent dargestellt. Dadurch ist der Stakeholderansatz integraler Bestandteil der Gemeinwohl-Bilanz. Der Stakeholderansatz ist ein Konzept, nach dem die Unternehmensführung nicht nur die Interessen der Anteilseigner (Shareholder), sondern aller Anspruchsgruppen, ohne deren Unterstützung das Unternehmen nicht überlebensfähig wäre, zu berücksichtigen hat. Dieser umfassende Ansatz gilt als einer der aktuellsten Grundsätze der Unternehmensführung.

Die Gemeinwohl-Ökonomie als Alternative für ein neues Wirtschaftsmodell wurde partizipativ von UnternehmerInnen basierend auf dem Buch „Neue Werte für die Wirtschaft“ von Christian Felber (2008) entwickelt und im Jahr 2010 als Erstausgabe der „Gemeinwohl-Ökonomie“ (Felber, 2010) veröffentlicht.

Die Methodik
Die Methodik der Gemeinwohl-Bilanz gliedert sich im Wesentlichen in drei Schritte: (1) Berichterstellung, (2) Bewertung inkl. Plausibilitätsprüfung und (3) Veröffentlichung des Berichts inkl. der Bewertung („kurz gesagt, ein ganzheitlicher Nachhaltigkeitsbericht wird durch ein Unternehmen erstellt und durch externe Auditoren bewertet und veröffentlicht“).
Anhand von 17 Hauptindikatoren wird über den Beitrag zum Gemeinwohl berichtet. Durch die Zielsetzung auf das Gemeinwohl gibt der Gemeinwohl-Bericht eine gesellschaftliche Perspektive des berichtenden Unternehmens/Organisation wieder.

Kompatibilität
Die Gemeinwohl-Bilanz erfüllt nach aktuellem Stand die meisten Anforderungen der EU-Direktive (2014/95/EU) zur Offenlegung nicht-finanzieller Informationen. Durch den integrierten Stakeholderansatz funktioniert die Gemeinwohl-Bilanz als Unternehmensanalyse-, Unternehmensmess- und Organisationsentwicklungs-Instrument. Klassische Managementsysteme, wie z. B. das Qualitätsmanagement nach ISO 9001/2015 oder Umweltmanagement nach ISO 14001/2015 können mit ihren Strukturen eine gute Ergänzung für die Umsetzung der Gemeinwohl-Ökonomie sein.
Auch Nachhaltigkeitsberichte nach GRI-Standard werden direkt in der Gemeinwohl-Bilanz berücksichtigt und die Anforderungen des DNK (Deutscher Nachhaltigkeitskodex) und des UN Global Compact sind ebenfalls weitreichend durch eine Gemeinwohl-Bilanz mit abgedeckt.

Aus der Praxis
Welchen Nutzen/Vorteile und Wirkungen hat die Gemeinwohl-Bilanz auf die bilanzierten Unternehmen?

  • GeschäftsführerInnen bilanzierter Unternehmen erklären, dass der ganzheitliche Ansatz der Gemeinwohl-Bilanz ein sehr wichtiger Faktor für sie persönlich ist. Die Perspektive aus Sicht der Berührungsgruppen auf das Unternehmen verschafft einen umfassenderen Überblick und deckt nicht selten „blinde Flecken“ auf.
  • Die Gemeinwohl-Bilanz wird gerne als Organisationsentwicklungs-Tool genutzt. Die Geschäftsführung bekommt damit direkt die Fäden für das weitere Handeln und das nachhaltige Wirtschaften in die Hand. Für die Geschäftsführung wird Nachhaltigkeit direkt steuerbar.
  • Der hohe Grad an Transparenz der Gemeinwohl-Bilanz führt zu einer deutlicheren Außenwahrnehmung und die Unternehmen werden besonders von KundInnen und LieferantInnen vertrauensvoller wahrgenommen. Es entsteht eine emotionalere Bindung zum Unternehmen. Verschiedene bilanzierte Unternehmen melden bis zu 10% mehr Neukunden aufgrund der Gemeinwohl-Bilanzierung.
  • Die Auswahlverfahren für neue Mitarbeiter haben sich bei vielen Unternehmen nach einer Gemeinwohl-Bilanz signifikant vereinfacht und führen zu einem besseren matching (höheren Passgenauigkeit) der BewerberInnen zum Unternehmen, so dass sich der Aufwand der Auswahlverfahren deutlich reduziert. Ebenfalls hat die Einarbeitungszeit der neuen Mitarbeiter hat sich dadurch deutlich vereinfacht und verkürzt. In Filialunternehmen kommt es inzwischen vor, dass BewerberInnen sich gezielt bei einer bestimmten Filiale, aufgrund der Gemeinwohl-Bilanz bewerben.
  • Die intensive persönliche Einbindung von MitarbeiterInnen während der Berichterstellung fördert die Motivation und Identifikation mit dem Unternehmen. Die interne Kommunikation des Gemeinwohl-Berichts vermittelt den Mitarbeitern ein klareres Bild über „ihr“ Unternehmen.

 

Abschließen möchten wir diesen Beitrag über die Gemeinwohl-Bilanz mit einem zukunftsweisenden Zitat von Paul Polman (der vermutlich die Gemeinwohl-Ökonomie und die Gemeinwohl-Bilanz nicht kennt) schließen:

You will not be judged anymore only by the top line or bottom line results in your company. You will increasingly be judged by the contributions that you will make to society.
(Paul Polman, CEO Unilever, 2013)

 

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Siehe Auch:

DNK – 1. Teil Nachhaltigkeitsreihe
EMAS – 2. Teil Nachhaltigkeitsreihe
GRI – 4. Teil Nachhaltigkeitsreihe
Gemeinwohl-Bilanz und DNK erfüllen CSR-Richtlinie

DNK – Teil 1 unserer Nachhaltigkeitsreihe

Im Hinblick auf die kommende EU-Berichtspflicht-Nachhaltigkeit (EU-Richtlinie 2014/95/EU) haben wir unsere Reihe „Nachhaltigkeits-Standards“ zusammengestellt. Darin stellen wir die  nationalen sowie internationalen gängigen Standards zur Berichterstattung, wie z.B. DNK, GRI, EMAS, Global Compact, GWÖ vor:

Deutscher Nachhaltigkeitskodex (DNK)

Der Deutsche Nachhaltigkeitskodex (DNK) wurde vom Rat für Nachhaltigkeit nach einem Stakeholderprozess 2010/2011 entwickelt und am 13. Oktober 2011 beschlossen. Mit dem Ziel, den Nachhaltigkeitsgedanken voranzubringen und die Nachhaltigkeitsleistungen vergleichbar und transparent zu machen. Der DNK bietet einen Rahmen für die Berichterstattung zu nichtfinanziellen Leistungen, der von großen und kleinen, öffentlichen und privaten Unternehmen, Organisationen mit und ohne existierende Nachhaltigkeitsberichterstattung, kapitalmarktorientierte Unternehmen und solche, die Anspruchsgruppen (Stakeholder) über ihre unternehmerischen Nachhaltigkeitsleistungen informieren wollen genutzt werden kann.

Nach seiner erfolgreichen Einführung hat die EU-Kommission den Deutschen Nachhaltigkeitskodex als einen möglichen Standard zur Erfüllung der ab 2016 geltenden europäischen Pflicht zur nicht finanziellen Berichterstattung von Unternehmen des öffentlichen Interesses mit mehr als 500 Mitarbeitern (EU-Richtlinie 2014/95/EU) genannt. Anhand eines Rechtsgutachten aus dem Jahr 2015 erfüllt die DNK-Entsprechenserklärung die Anforderungen der EU-Berichtspflicht vollständig.

Die Unternehmen geben zu 20 Kriterien eine auf das Wesentliche abstellende Erklärung über ihre Maßnahmen zur ökologischen, sozialen und ökonomischen Aspekten der Nachhaltigkeit ab. In einer Entsprechenserklärung zum Deutschen Nachhaltigkeitskodex berichtet das Unternehmen, wie es den Kodexkriterien entspricht (comply), oder erklärt plausibel, warum es ein Kriterium gegebenenfalls nicht berichtet (explain).

Hierfür steht den Unternehmen der Service der DNK-Datenbank des Rates für Nachhaltige Entwicklung auf www.nachhaltigkeitskodex.eu zur Verfügung.

Das Unternehmen schafft sich mit einem dem DNK entsprechenden Bericht eine Quelle für die Beantwortung von Nachfragen aus dem Unternehmen selbst und aus dessen Umfeld (Shareholder & Stakeholder). Der Nachhaltigkeitskodex nützt bei der internen Steuerung und strategischen Zukunftsorientierung des Unternehmens. Er ist insbesondere für alle Unternehmen und Organisationen ohne etabliertes Berichtswesen sinnvoll.

Die vom DNK genannten fünf Vorteile für Anwender:
1. Macht Berichterstattung einfacher und vergleichbar.
2. Erfüllt die EU-Berichtspflicht und ist international anschlussfähig.
3. Geeignet für kleine und mittlere Unternehmen (KMU).
4. Nutzt auch zivilgesellschaftlichen Organisationen.
5. Anerkanntes Steuerungsinstrument für nachhaltiges Wirtschaften.

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Auch interessant:

EMAS – 2. Teil Nachhaltigkeitsreihe
GWÖ – 3. Teil Nachhaltigkeitsreihe
GRI – 4. Teil Nachhaltigkeitsreihe
Gemeinwohl-Bilanz und DNK erfüllen CSR-Richtlinie

EU CSR Berichtspflicht

– Die EU-Berichtspflicht zu nichtfinanziellen und die Diversität betreffenden Informationen tritt 2016 in Kraft –
Das sind die häufigsten Fragen!
Aus unseren Erfahrungen als Seminaranbieter und Beratungsunternehmen im Bereich Nachhaltigkeit sowie als Schulungspartner des Deutschen Nachhaltigkeitskodex 2015/2016 hat nw|consulting die häufigsten Fragen zu Nachhaltigkeitsberichten und der EU-Berichtspflicht (EU-Richtlinie 2014/95/EU) zusammengestellt.
Unser Senior Consultant Nils Wittke gibt Antworten auf die FAQs:

Wann kommt die Berichtspflicht Nachhaltigkeit und warum?

Bis zum 06.12.2016 tritt die EU-Berichtspflicht (EU-Richtlinie 2014/95/EU) auch in Deutschland in Kraft.
Berichtet werden muss erstmals über Geschäftsjahre, die nach dem 31.12.2016 beginnen.
Unternehmen werden zunehmend nicht mehr nur nach ihren Finanzdaten beurteilt bzw. bewertet. Nicht-finanzielle Informationen, zur Achtung der Menschenrechte, zum Umgang mit Umweltbelangen und sozialen Belangen bilden einen immer relevanteren Bereich für die Wahrnehmung von Unternehmen.
Investoren, große Unternehmen sowie Verbraucherinnen und Verbraucher erwarten mehr und bessere Informationen über die ganzheitlichen Auswirkungen von Unternehmen, besonders auch im Hinblick auf die Lieferkette.

Ist mein Unternehmen auch von der Berichtspflicht betroffen?

Kapitalgesellschaften (z.B. GmbH, AG, Genossenschaften), Kapitalmarkt-Unternehmen des öffentlichen Interesses…
…mit mehr als 500 Mitarbeitern, einer Bilanzsumme von > 20 Mio. Euro bzw. Nettoumsatz > 40 Mio. Euro, sind zur Berichterstattung verpflichtet.

Darüber hinaus können sich die Anforderungen aufgrund des Wettbewerbs sowie als Zulieferer oder Vertragspartner von großen Unternehmen auch auf KMU auswirken.
Insofern ist es auch für kleinere Unternehmen empfehlenswert eigene Nachhaltigkeitsstrategien zu entwickeln, um auf zukünftige Veränderungen reagieren zu können.
Aktuell läuft die Konsultationsphase für die Umsetzung in deutsches Recht.

Welche Anforderungen muss ich erfüllen?

Unternehmen sind aufgefordert Daten zu den Aspekten: Umwelt-, Sozial- und Arbeitnehmerbelangen, zur Achtung der Menschenrechte und zur Bekämpfung von Korruption und Bestechung offen zu legen. Dafür müssen Konzepte, Ergebnisse und Risiken in Bezug auf diese Belange beschrieben und in den Lagebericht des betroffenen Unternehmens aufgenommen werden. Lieferketten und Subunternehmer müssen dabei mit einbezogen werden.
In der Entsprechenserklärung (DNK) werden die geforderten Angaben z.B. nach dem comply or explain – Prinzip erhoben.

Welche Nachhaltigkeits-Standards gibt es und können genutzt werden?

Für die Erstellung eines Nachhaltigkeitsberichts, können sich  Unternehmen auf internationale und nationale Standards, wie z.B. Eco-Management and Audit Scheme (EMAS), Global Compact (GC), Global Reporting Initiative (GRI) und den Deutschen Nachhaltigkeitskodex (DNK) stützen, die in der EU-Richtlinie vorgeschlagen werden.
Zum DNK liegt bereits ein Rechtsgutachten vor, das nach aktuellem Stand die Erfüllung der Richtlinie bestätigt.
Darüber hinaus gibt die Richtlinie die Freiheit weitere Standards zu nutzen, wie z.B. die Gemeinwohl-Bilanz.
Sie gibt die Perspektive aus Sicht der Stakeholder auf die Erfüllung ethischer Verfassungswerte wieder.
Im Gegensatz zu reinen Berichts-Standards beinhaltet sie zusätzlich eine externe Bewertung (Gemeinwohl-Bericht + Bewertung = Gemeinwohl-Bilanz) und den Stakeholderansatz als einen der modernsten Unternehmensführungsgrundsätze.

Welcher Standard passt zu meinem Unternehmen?

Die genannten Standards unterscheiden sich zum Teil sehr deutlich voneinander. Einige sind reine Berichts-Standards bzw. Entsprechenserklärung zu einem Kodex, andere beinhalten auch ein Managementsystem.
So ist der GRI (aktuell G4-Standard) ein Berichts-Standard mit umfangreichen und detaillierten Indikatoren. Der DNK ist ein Kodex, zu dem anhand von 20 Kriterien eine Entsprechenserklärung erstellt wird und EMAS ist ein Umweltmanagement (inkl. ISO 14001), dass sowohl die Einbindung der Mitarbeiter, als auch die regelmäßige Veröffentlichung einer Umwelterklärung fordert und gleichwertig zur ISO 50001 anerkannt ist.
Für die Wahl des zum Unternehmen passenden Standards haben sich folgende Aspekte herauskristallisiert, die vor der Wahl beantwortet werden sollten:

  • der Nutzungszweck (was soll erfüllt werden)?
  • die Zielgruppe (wer soll den Bericht lesen)?
  • aus welcher Perspektive soll der Standard das Unternehmen betrachten (gesellschaftlich / unternehmerisch)?
  • wo ist das Unternehmen tätig (lokal, national, europaweit, multinational)
  • welchen Zusatznutzen bietet welcher Standard (jetzt oder zukünftig)?

Welche Vorteile bringt die Berichtspflicht für mein Unternehmen?

Durch die Berichterstellung ergeben sich häufig neue Erkenntnisse über bisher ungenutzte bzw. unbekannte Potentiale für das Unternehmen. Ein gut organisierter Prozess der Berichterstellung kann zur Mitarbeitereinbindung und Mitarbeitermotivation beitragen. Auf Grundlage der Erkenntnisse können innovative Lösungen erarbeitet werden, die sich positiv auf den Unternehmensablauf auswirken.
Unternehmensweit eröffnen sich Chancen und Möglichkeiten für Strategie und Prozessmanagement im Unternehmen im Umgang mit den Stakeholdern und den Auswirkungen des Unternehmens.
Anhand der gewonnen Informationen lassen sich Potentiale in den Bereichen Effizienz, Prozessoptimierung als auch Möglichkeiten der Kosteneinsparung erkennen.
Nicht zuletzt ist der Bericht auch eine Möglichkeit zur Profilierung bzw. Markenbildung. Besonders verantwortungsbewusste Unternehmen haben die Möglichkeit damit ihr Alleinstellungsmerkmal herauszustellen und das Vertrauen und die Reputation zu steigern.

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